Österliche Bußzeit

Seit Monaten geht eine Liedzeile aus einem Lied von Leonard Cohen mit mir:

There is a crack in everything
that’s how the light gets in.

Da ist ein Knacks in jedem Ding,
so kommt das Licht darin.


Cohen ist vergangenen November 82-jährig in Amerika verstorben. Er war Kanadier, aus jüdischer Familie. Nie ging er ohne seinen Talmud auf Reisen. Fünf Jahre hat er als Mönch in einem buddhistischen Kloster gelebt und dort die Mönchsweihe empfangen, der er sich immer verpflichtet fühlte. Dass sein Leben daneben auch all die Exzesse des Show-Lebens kannte, widerspricht dem nicht. Es zeigt nur, dass er immer ein Suchender blieb. Man nimmt ihm ab, wenn er singt

There is a crack in everything
that’s how the light gets in.

Da ist ein Knacks in jedem Ding,
so kommt das Licht darin.


Ja, auch in unserem Leben ist irgendwie immer ein „Knacks“, ein Riss, ein Bruch.
Der eine denkt vielleicht mehr an Schuld und Versagen, die andere an Einschränkungen aufgrund von Alter und Krankheit. Egal. Ich frage mich: „Du, Katharina, glaubst du das, dass genau in dem, was dir Sorgen macht, was dich ärgert, was brüchig ist, in dir und um dich rum, Licht durchscheint?“ Das genau wäre österliche Hoffnung. Uns in diese Hoffnung einzuüben, ist der Sinn der österlichen Bußzeit, sie einzuüben, denn wir haben sie nicht einfach so. In dem Lied heißt es in den beiden Zeilen, die vor dem zitierten Text kommen:
 
Ring the bells that still can ring
forget your perfect offering.
There is a crack in everything
that’s how the light gets in.

Lasst die Glocken läuten, die noch klingen.
Vergiss es:
Perfekt wird Hingabe nie gelingen.
Da ist ein Knacks in jedem Ding,
so kommt das Licht darin.  


Cohen selbst hat diese Zeilen kommentiert und sagt:

Es gibt keine Entschuldigung. Die trostlosen Umstände und die Zukunft, das kann alles keine Entschuldigung dafür sein, sich vor der eigenen persönlichen Verantwortung zu drücken (…) „Lasst die Glocken läuten, die noch klingen!“ Die sind äußerst rar geworden. Aber man kann sie finden. „Vergiss es: Perfekt wird Hingabe nie gelingen“ – das ist der Aufhänger. (…) Die Sache an sich ist nie perfekt, und, schlimmer noch, in allem, was man zusammensetzen kann, gibt es einen Riss (…), aber genau da dringt das Licht ein.

So hat er es erfahren – und ich war fasziniert, dass die Zeilen dieses jüdischen Buddhisten so christlich enden:

… in allem, was man zusammensetzen kann, gibt es einen Riss (…), aber genau da dringt das Licht ein, und das ist die Auferstehung, und so findet die Umkehr – die Buße statt. Dadurch, dass man sich dem Zerrissen-Sein der Dinge stellt. (Zitate frei nach Anthony Reynolds, Leonard Cohen. Ein außergewöhnliches Leben, 266)

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allen eine lichtvolle wirklich österliche Buß-Zeit
Ihre Franziskanerinnen von Lüdinghausen

Kloster-ABC

"Klosterbegriffe" erklärt

Auf dieser Seite haben wir für Sie einige "Klosterbegriffe" speziell für unsere Gemeinschaft erläutert. weiter

Angebote

Wir sind offen für...

Gründerin

Catharina Damen, Mutter Magdalena (1787 – 1858)