Auschwitz-Gedenken im Antoniuskloster

Vor dem Altar der Lüdinghauser Klosterkapelle eine "Christus-Sieger"-Skulptur, gefertigt vom Warschauer Bildhauer und "Überlebenden" Marek Brzozowski; daneben ein sieben-armiger Leuchter - beides auf einem Tuch mit blauen Längsstreifen. Häftlingskleidung aus solchem Stoff mit einem großen "P" im "Winkel" trugen seinerzeit die polnischen KZ-Insassen ...

Das Besondere an diesem Tuch: Darauf lesbar die Originalunterschriften jüdischer und nicht-jüdischer NS-Opfer aus Polen. Sie stehen stellvertretend für mehr als 200 Personen, die von der Lüdinghauser Pax-Christi-Gruppe (unter Federführung der Eheleute Kopmeier sowie von Christa Holtmann) seit 2001 im Auftrag des Maximilian-Kolbe-Werks Jahr für Jahr im Münsterland bei gut zweiwöchigen Begegnungsfreizeiten betreut wurden. Sie alle sind dabei an jeweils einem Tag immer auch Gäste der franziskanischen Schwesterngemeinschaft gewesen.

Auschwitz-Gedenken im Antoniuskloster

In einer Gedenkstunde am Vorabend des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz durch sowjetische Truppen (26.01.2015) erklangen Texte und Gesänge aus jüdischer und christlicher Tradition. Das (ev.) Ehepaar Tiessen begleitete den tröstlichen Wechselgesang "Von guten Mächten wunderbar geborgen" der ökumenischen Gemeinde. Die bekannten Verse von Dietrich Bonhoeffer waren geschrieben worden zum Jahreswechsel 1944/45, knapp vier Monate vor seiner Hinrichtung im KZ Flossenbürg.

Die stv. Bürgermeisterin Josephine Kleyboldt erinnerte in ihrer kurzen Ansprache zuvor an die deportierten jüdischen Mitbürger Lüdinghausens.

Gedenken.

Der Psalm 142 ("Ich schreie zu dir, o Herr"), sowie Worte der Klage aus dem Propheten Jesaja (38. Kap.) und ein Taizé-Lied vom Vertrauen auf Gottes Erbarmen ("Misericordias Domini") leiteten über zum zweiten Teil: Verbunden wurde die Erinnerung an die Verbrechen von Auschwitz und das Leid der Völker im Weltkrieg mit den vielen aktuellen Kriegen, mit leichtfertigem Waffeneinsatz, mit terroristischer Gewalt, mit allgegenwärtiger Folter - mit dem Ungeist heutiger Tage.

Die Hoffnung auf eine Zukunft unseres "Planeten, ... dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung", fand ihren Ausdruck im berühmten "Gebet der UNO" (vgl. GL Nr. 20,1). Im Kriegsjahr 1942 war es verfasst worden von dem amerikanischen Journalisten und Pulitzer-Preisträger Stephen Vincent Benét. Jetzt wurde es im St. Antoniuskloster in Englisch, Russisch, Französisch, Polnisch vorgetragen und schließlich gemeinsam in deutscher Sprache gesprochen.

Seit der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Jan. ab 1996 als Gedenktag proklamierte, hat die Lüdinghauser Gruppe alljährlich entweder in den Gemeinden oder im schulischen Rahmen und vor allem immer wieder in der Klosterkapelle auf die verschiedenen "Opfer-Gruppierungen" der NS-Zeit erinnernd aufmerksam zu machen versucht.  Einmal konnte auch Dr. Manfred Deselaers, der als Priester des Bistums Aachen inzwischen fast drei Jahrzehnte "am Rande von Auschwitz" im "Dialog-Zentrum" tätig ist, dabei in Lüdinghausen mitwirken.

Text: Karl-Heinz Kocar / Peter Kopmeier
Foto: Karl-Heinz Kocar

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