Noviziat

Fünf Fragen an: Noviziats-Leiterin Sr. Susann Stader

Sr. Susann Stader
Sr. Susann Stader

Was macht eine Noviziats-Leiterin in diesen Zeiten, in denen die Ordensgemeinschafen vermutlich stärker an die Pflege ihrer alten Schwestern denken müssen als an die Ausbildung der Wenigen, die den Weg ins Kloster suchen?

Ich umschreibe meine Aufgabe gerne mit der Gegenfrage: "Was kann ich dazu beitragen, das Ordensleben wieder schmackhaft zu machen?". Neben der Freude, wenigstens alle paar Jahre doch eine Frau auf ihrem Berufungsweg zur Ordensgemeinschaft begleiten zu dürfen, sind deshalb viele andere "missionarische" Aufgaben bei der Noviziats-Leitung angesiedelt.

Ich nenne da vor allem verschiedene Projekte in Schulen, bei denen das Thema "Ordensleben früher und heute" thematisiert wird, auch mit Besuchen in unseren Kommunitäten oder hier im Lüdinghauser Kloster. Besinnungstage organisieren, geistliche Begleitung von Suchenden, ehrenamtliche Mitarbeit in unserer Pfarrei oder das Angebot verschiedener Meditations- und Arbeitskreise sind die unterschiedlichsten Orte, an denen ich auch das Ordensleben vorstellen und realistische Bilder davon vermitteln kann.

Nicht nur in Ihrer Gemeinschaft stellt sich die Frage nach der Zukunft, wenn sich nur noch wenige Menschen für das Ordensleben entscheiden. Tauschen Sie sich dazu mit anderen Noviziats-Leiterinnen und -Leitern aus?

Sr. Susann: Ja, das ist uns allen wichtig und bereichert sehr. Es gibt eine gute Vernetzung auf der Bistumsebene und auch darüber hinaus zwischen den Beauftragten, die sich regelmäßig treffen. Auch bieten die Orden Fortbildungen an, bei denen Referenten für Mitglieder aus verschiedensten Gemeinschaften Grundsätzliches zum Ordensleben, zum Zusammenleben von Alt und Jung oder zu bestimmten Sachthemen vermitteln. Im Jahr 2015 werden übrigens erstmals die Novizinnen und Novizen aus  franziskanischen Gemeinschaften drei Monate zusammen leben und lernen – ein wunderbarer Aspekt, der den häufig ja allein Eintretenden Mut macht und sie Gemeinschaft spüren lässt.

Wenn Sie Ihre eigene "Lehrzeit" auf dem Weg zur Ewigen Profess betrachten: Wo liegen die größten Unterschiede?

Nun, inzwischen habe ich auch schon mein Silbernes Ordensjubiläum gefeiert und kann deshalb schon eine lange Zeit überschauen mit all ihren Veränderungen. Allein, dass ich derzeit mit meinen 53 Jahren nach der zu Pfingsten eingetretenen Postulantin die Jüngste hier im Antonius-Kloster bin,  zeigt, dass der Altersdurchschnitt der Schwestern heute wesentlich höher ist.  
Als ich ins Kloster eintrat, kamen zwei weitere junge Frauen mit mir – heute sind die Frauen, die sich für das Leben bei den Franziskanerinnen von Lüdinghausen interessieren, meist "Einzelkämpferin" und vor allem schon wesentlich älter, dazu schon länger in eigenen Berufen bewährt. Das macht es sicher nicht einfacher für sie, ihr Leben so umzugestalten, wie es der Schritt in die Gemeinschaft bedeutet.

Warum lohnt es sich dennoch, diesen Schritt zu tun? Was wäre Ihr "Werbe-Block", um eine suchende junge Frau zu ermutigen?

Sr. Susann: Mein Hauptargument heißt "Franziskus". Sein Gespür dafür, den Schöpfer in der umgebenden Natur zu erfahren, aber ebenso auch im eigenen Sein Gott zu begegnen, macht seine Spiritualität so lebendig, offen und aktuell. Ja, für mich hat diese Art, das Leben, die Welt und die Mitmenschen als Geschenk zu betrachten, etwas Spielerisches.
Speziell für unsere Gemeinschaft macht es mich übrigens auch froh, dass wir von einer Frau gegründet wurden – Catharina Damen war eine ganz einfache Frau vom Land, die kaum lesen und schreiben konnte. Sie hat aber genau gespürt, wo sie gebraucht wurde. Hierher leitet sich auch die Grundidee unserer Gemeinschaft ab, dort zu sein, wo man gerade gebraucht wird: Schlicht und einfach bei den Menschen sein.

Was hat denn Sie persönlich zu Ihrer Entscheidung bewogen, mit 23 Jahren genau dieser Ordensgemeinschaft beizutreten?

Als gelernte Krankenschwester hatte ich oft mit dem Tod zu tun. Der überraschende Wunsch einer jungen krebskranken Mutter, die sich kurz vor ihrem Tod unbedingt die Taufe wünschte – und damit zu dem Gott gehören wollte, der ihr Sterben und das Zurücklassen der kleinen Kinder nicht verhinderte – hat mich tief berührt. Was macht den Gott dieser Frau aus, so fragte ich mich immer öfter, und nach einigen weiteren ähnlichen Erfahrungen wurde aus dem Gott jener jungen Frau dann "mein Gott". In der Gemeinschaft schließlich habe ich Menschen gefunden, die mit mir weiter diesem Gott auf der Spur bleiben – Im Gebet, in der Begegnung, in der Weitergabe von Erfahrungen an Novizinnen, in kreativen Prozessen, die sich auch heute noch fortsetzen und mich spüren lassen, dass mein Weg der richtige war und ist.

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