Auf die Nöte der Zeit antworten

In Mönchengladbach leben zurzeit 16 Franziskanerinnen in zwei Konventen

Schwestern aus dem Portiunkula-Konvent

Als die Heythuysener Franziskanerinnen Camilla und Fidelia am 24. Juli 1854 aus den Niederlanden nach Mönchengladbach kamen, um ein Waisenhaus zu übernehmen, konnten sie nicht ahnen, was sich aus den bescheidenen Anfängen entwickeln würde. 1856 kamen zwei weitere Schwestern, um sich der Kranken anzunehmen. Sie mussten erst kollektieren gehen, um die nötigen Anschaffungen tätigen zu können: sechs Betten und das entsprechende Hausgerät. Das war der Beginn der Kliniken Maria Hilf.

Als die ersten Schwestern nach Mönchengladbach kamen, lebte die Stifterin der Gemeinschaft, Catharina Damen, noch. Sie hatte jede neu ankommende Schwester mit Wohlwollen als Geschenk Gottes angenommen. Der Rückhalt dieser Erfahrung gab auch den ersten Schwestern in Mönchengladbach die Kraft, sich auf das Wagnis einzulassen und in die fremde Stadt zu gehen. Sie hatten buchstäblich nichts. Sie sahen die Not und packten an, getreu dem Leitwort "Gott wird sorgen, wenn wir das Unsere tun."

Sr. Maria vor Portiunkula.

In dieser Spiritualität leben die "Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe" noch heute. In Mönchengladbach gibt es zurzeit 16 Schwestern in zwei Konventen. Im Franziskus-Konvent, in den Räumen des Krankenhauses St. Franziskus, leben fünf Schwestern im Alter von 70 bis 89 Jahren. Im Portiunkula-Konvent, wenige Meter vom Krankenhaus entfernt, leben elf Franziskanerinnen im Alter von 65 bis 88 Jahren.

Die Schwestern eines Konventes haben, anders als früher häufig, keine gemeinsame Aufgabe mehr. Sie arbeiten ehrenamtlich. Der Konvent ist die Lebensgemeinschaft, an diesem Ort wird gemeinsam gegessen, gebetet und die franziskanische Spiritualität gelebt. Ausdruck der Spiritualität sind die Stundengebete Laudes und Vesper sowie der gemeinsame Gottesdienst am Morgen. Am Abend treffen sich die Schwestern, um Nachrichten zu sehen. "Wir wollen wissen, was in der Welt vor sich geht", sagen sie. Ein Mal in der Woche treffen sich die Frauen zum Konventsnachmittag, um sich auszutauschen, beispielsweise in einem Schriftgespräch oder im Nachdenken über den Impuls, den alle Schwestern der Provinz monatlich erhalten. Manchmal sind auch Dinge zu besprechen: ein Ausflug will geplant sein, der Konvent lädt Nachbarn ein, so in Portiunkula beispielsweise die Menschen mit Behinderung, die auf dem gleichen Gelände im Haus Klara leben, in dem bis vor ein paar Jahren auch Mitschwestern lebten.

In der Kapelle von Portiunkula.

Wie es typisch ist für eine tätige Kongregation, sind die Schwestern nicht an den Ort gebunden, an dem sie leben. Alle haben auch schon in anderen Konventen und Städten gelebt, gebetet, gearbeitet. Mit den Worten des Ordensvaters Franziskus: "Unser Kloster ist die Welt". Das Zusammenleben gleicht dem in einer großen Familie. Auch dann, wenn es untereinander einmal hakt. "Wir sind alle keine Engel", sagt Schwester Mathilde. "Dann heißt es: Einer trage des anderen Last." Gerade wenn die Gemeinschaft älter wird, spüre man deutlich, was es heißt, die Grenzen der eigenen Belastbarkeit wie die der Mitschwestern zu tragen. "Wir sind stärker aufeinander angewiesen. Es ist wie in der Bibel", sagt sie. "Der Blinde führt den Lahmen." Selbst wer scheinbar "nichts" mehr tut, darf wissen: Jede hat eine Aufgabe, im Dasein, im Gebet – und ganz am Ende vielleicht einzig im Leiden, das angenommen wird und so geheimnisvoll fruchtbar werden kann.

Die Franziskanerinnen sind nicht auf bestimmte Berufsausrichtungen festgelegt. "Wir möchten mit unserem Wirken Antworten auf die Nöte der Zeit geben", sagen die Schwestern. Für Mönchengladbach bedeutete das beispielsweise die Arbeit für und mit Waisenkindern, die Krankenpflege und die Sonntagsschule für Fabrikarbeiterkinder. Immer dann, wenn sich gesellschaftliche Strukturen veränderten, haben die Schwestern darauf reagiert. In Mönchengladbach hat die Gemeinschaft zum Beispiel das Gymnasium schon früh abgegeben.

Das spirituelle Leben in den Konventen wird durch den heiligen Franziskus und die Ordensgründerin, Mutter Magdalena, entscheidend geprägt. Die Franziskanerinnen in Mönchengladbach richten ihr Leben nach ihnen aus. "Mutter Magdalenas Lebensweise fasziniert mich. Ich tue meinen Teil und halte keine großen Reden", sagt Schwester Maria. Und in diesem Artikel ganz am Ende: "Franziskus hat es mir angetan", ergänzt Schwester Heriburg, "Sein innerer Anruf ‚Baue meine Kirche auf‘ hat mich bewogen, in seinen Fußspuren Christus zu folgen."

September 2014

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