Das Geschenk der Gemeinschaft

Das Miteinander im Antonius-Kloster

Sr. Gerhardis Schütter (rechts) lebt in der Gemeinschaft.

Schwester Gerhardis Schütter spricht gerne vom "Geschenk der Gemeinschaft", wenn die Konventsoberin vom Leben im Antoniuskloster in Lüdinghausen, dem Provinzhaus der Kongregation., berichtet. 42 Schwestern leben zurzeit dort. Täglich versammeln sie sich gemeinsam zur Eucharistiefeier und zum Stundengebet in der Klosterkapelle. Auch Feste werden gern gemeinsam gefeiert.

Im Übrigen leben sie in zwei eigenständigen Konventen, die ihren je eigenen Tagesrhythmus haben. 17 Schwestern gehören zum Antoniuskonvent, 25 Schwestern, die altersbedingt kleine Hilfen brauchen oder pflegebedürftig sind, zum Elisabethkonvent. Jede Schwester bringt sich gemäß den ihr eigenen Gaben und Möglichkeiten in unterschiedlichen Aufgaben zum Wohl der Gemeinschaft ein. Dazu gehören größere oder kleinere Dienste wie Angebote pastoraler Art, die Sorge für den Blumenschmuck in der Kapelle, die Pflege der Pflanzen auf den Fensterbänken in Zimmern und Haus, die Leitung der Bibliothek, Übernahme des Pfortendienstes, Pflege von Blumenbeeten im Garten und anderes. Und wenn die Kraft der Schwester dafür zu klein wird, dann trägt ihr Gebet die anderen mit. "Unsere apostolische Sendung gilt bis zum Schluss!", sagt Sr. Gerhardis und erinnert an den Grundauftrag der Franziskanerinnen von Lüdinghausen: "… das Evangelium zu leben zusammen mit den Schwestern, die Gott mir gibt …" (aus der Professformel).

Chancen und Gaben biete eine solche Gemeinschaft, sagt Sr. Gerhardis, aber eben auch Herausforderungen und Grenzerfahrungen, das erweise sich immer neu. Nähe und Distanz wollen ausgewogen gelebt sein, "Einheit in Verschiedenheit" soll gedeihen können. Und wer mit Sr. Gerhardis durch das große, einfühlsam renovierte Klostergebäude von 1895 geht, das eine wechselvolle Geschichte durchlebt hat, der spürt eine Atmosphäre der Offenheit. "Wir sind fast alle alt und keine von uns übt mehr eine vollberufliche Tätigkeit aus, aber alle tragen ein lebendiges und einladendes Kloster mit". Die 79-Jährige kann das auch deutlicher beschreiben: "Wir sind hier kein Sympathie-Club, sondern eine auf den Herrn bezogene Gemeinschaft. Ohne ihn als Ziel und Mitte unseres Lebens wären wir nicht zusammen".

Sie selbst hat bereits mit 15 Jahren eine Berufung zum Ordensleben gespürt – "aber ich habe die Entscheidung lange offen gelassen". Ordensfrauen, die sie in ihrer Schule erlebte, wurden ihr zu Vorbildern, so dass sie 1959 bei den Franziskanerinnen von Lüdinghausen eintrat. "Das 2. Vatikanische Konzil hat für die Ordensgemeinschaft viel Positives bewirkt", sieht sie dessen Folgen noch heute als wichtige Meilensteine: "Wir haben kleinere Konvente gegründet, um näher an den Menschen zu sein. Das Leitungsverständnis hat sich grundlegend gewandelt, Supervisionen wurden als Chance für ein gelingendes Miteinander eingeführt", nennt sie einige der nachhaltigen Veränderungen. Auch das Nebeneinander von Ordenstracht und ziviler Kleidung – in offenem Austausch diskutiert und schließlich den Ordensfrauen freigestellt - habe sich letztlich als Gewinn erwiesen, der so manche Barriere für Außenstehende abgebaut habe. "Auch das bedeutet ein Stückchen gelebte "Einheit in Verschiedenheit", so Sr. Gerhardis.

Die geglückte Verbindung zwischen den Traditionen und der Öffnung zu einer neuen Zeit leben die Schwestern auch nach außen: Zur Mitfeier der Sonntagsgottesdienste kommen viele Menschen aus Lüdinghausen in die Klosterkapelle, der Kontakt zum Gymnasium direkt nebenan ist ebenso freundlich wie der zum Altenheim an der anderen Grundstücksgrenze. "Wir haben als Orden rechtzeitig Gebäude und Trägerschaften abgeben können, so dass uns die großen Institutionen wie Schulen oder Krankenhäuser jetzt nicht mehr belasten".

Heute kommen die, welche Stille oder Antworten suchen, gerne zum Kloster. Für Schulklassen, Firmlinge oder Kommunionkinder stehen die Türen offen, Kurse, Meditationen, Kreatives, ja sogar "Klosterleben auf Zeit" haben Platz hinter den Mauern, die längst keine Abschottung mehr symbolisieren. Die Konvents-Oberin ist noch im münsterschen Kirchenfoyer aktiv, gestaltet die Liturgie in der Klosterkapelle mit und kümmert sich auch in der Provinzleitung mit um die Ordensangelegenheiten. "Jede Einzelne bringt das Ihre ein, damit Gemeinschaft gelingt".

Der Blick hinter die Klostermauern zeigt so etwas wie ein Gemälde, in dem die unterschiedlichsten Formen und Farben nebeneinander stehen, sich aufeinander beziehen und trotz Distanz ein Ganzes bilden, eben Gemeinschaft. "Chance und Herausforderung zugleich", lächelt Sr. Gerhardis.

 Juli 2014

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